„Nachhaltig, grün, umweltfreundlich“.
Was Sie stattdessen schreiben.
Drei Wörter stehen in fast jedem Absatz über Nachhaltigkeit. Nachhaltig, grün, umweltfreundlich. Sie sind bequem, sie klingen gut, und sie sagen nichts. Die EU-Kommission hat 2023 berichtet, dass mehr als die Hälfte der untersuchten Umweltaussagen in der EU vage, irreführend oder unbelegt waren.
Seit dem 27. September 2026 sind solche allgemeinen Begriffe gegenüber Verbrauchern in den meisten Fällen unzulässig. Aber Achtung. Wer sie einfach streicht, hat ein neues Problem. Dann fehlt plötzlich jede Aussage über das, was ein Unternehmen tatsächlich leistet. Dieser Artikel zeigt, wie konkrete Umweltaussagen gebaut sind und wie sie in typischen Kanälen klingen.
Warum diese Wörter nicht mehr tragen
Das Gesetz nennt sie allgemeine Umweltaussagen. Gemeint sind Begriffe wie „umweltfreundlich“, „klimafreundlich“ oder „biologisch abbaubar“, deren Erklärung nicht klar und hervorgehoben auf demselben Medium steht. Ein QR-Code oder ein Link auf eine Unterseite reicht dafür in der Regel nicht.
Erlaubt bleiben solche Begriffe nur, wenn eine anerkannt hervorragende Umweltleistung dahintersteht. Die Gesetzesbegründung nennt als Beispiele das EU-Umweltzeichen, den Blauen Engel und den Nordischen Schwan. Ein Produkt mit Blauem Engel darf also weiter „umweltfreundlich“ heißen, soweit die Kriterien des Umweltzeichens dies abdecken. Für alle anderen gilt der Weg über die Präzision. Welche Begriffe besonders heikel sind, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.
Ein Adjektiv ist kein Nachweis. Eine konkrete Aussage hat fünf Bausteine:
Konkrete Umweltaussagen haben einen überprüfbaren Inhalt. Leser erkennen, worum es geht, an welcher Stelle und mit welcher Wirkung. In der Praxis hilft eine einfache Prüfliste.
Gegenstand benennen. Welches Produkt, welcher Standort, welcher Teil der Verpackung?
Umweltaspekt festlegen. Geht es um Energie, Material, Wasser oder Emissionen?
Lebensabschnitt angeben. Herstellung, Transport, Nutzung oder Entsorgung?
Größe beziffern. Wie viel, im Vergleich zu was, in welchem Zeitraum?
Nachweis bereithalten. Messung, Zertifikat oder Bilanz, die die Aussage trägt.
Nicht jeder Satz braucht alle fünf. Aber jeder Satz, dem drei davon fehlen, ist verdächtig.
Vorher, nachher
Die folgenden Beispiele sind typische Muster, wie sie in Prüfungen immer wieder auftauchen. Die eckigen Klammern stehen für Angaben, die nur das jeweilige Unternehmen selbst liefern kann.
Ja, der zweite Satz ist immer länger. Dafür hält er.
Die Über-uns-Seite
Vorher „Nachhaltigkeit ist fester Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie.“
Das Problem ist der fehlende Gegenstand. Niemand erfährt, was konkret passiert.
Nachher „Seit [Jahr] beziehen unsere Standorte in [Ort] und [Ort] Strom aus erneuerbaren Quellen. Den Anteil am Gesamtverbrauch veröffentlichen wir jährlich in unserem Umweltbericht.“
Der Social-Media-Post
Vorher „Grün unterwegs 🌱 #sustainable #ecofriendly“
Text, Emoji und Hashtags ergeben zusammen eine allgemeine Umweltaussage. Auch auf Instagram.
Nachher „Seit [Monat] fahren [Anzahl] unserer [Anzahl] Servicefahrzeuge elektrisch. Geladen wird am Standort [Ort] mit Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage.“
Die Karriereseite
Vorher „Werde Teil eines grünen Arbeitgebers.“
Pauschal und auf das ganze Unternehmen bezogen, obwohl meist nur einzelne Maßnahmen dahinterstehen.
Nachher „Bei uns gibt es Dienstrad-Leasing, einen Zuschuss zum Deutschlandticket und eine Kantine mit regionalem Mittagstisch.“
Das Produktdatenblatt
Vorher „Besonders energieeffiziente Anlage.“
Gegenüber Fachleuten genauso unklar wie gegenüber Verbrauchern. Energieeffizient im Vergleich zu was?
Nachher „Die Anlage benötigt [Wert] kWh pro [Einheit] und damit [Anteil] Prozent weniger als das Vorgängermodell [Modellname], gemessen nach [Norm].“
Wörter, die Sie neu bewerten sollten
Manche Begriffe sind fast immer kritisch, andere nur in bestimmten Zusammenhängen. Eine grobe Orientierung für die eigene Inventur.
Klimaneutral und „CO₂-neutral“ sind für Produkte tabu, wenn sie auf Kompensation beruhen. Klimaschutzprojekte lassen sich weiter erwähnen, nur nicht als Beleg für Neutralität.
Nachhaltig ist ohne Zusatz kaum zu halten. Besser ist, die konkrete Maßnahme zu benennen.
Recycelt und „recycelbar“ funktionieren, wenn Anteil und Bauteil genannt sind.
Regional ist keine Umweltaussage an sich, wird aber oft als eine gelesen. Sauber bleibt es, wenn die Herkunft konkret ist.
Eine solche Wortliste lohnt sich als interner Leitfaden. Sie spart Abstimmungsschleifen, weil Marketing, Vertrieb und Personalabteilung dieselben Formulierungen verwenden. Mehr zur Corporate Language.
Wo Präzision an Grenzen stößt
Konkrete Aussagen sind kein Freibrief. Auch sie müssen stimmen und dürfen nicht irreführen. Wer eine Zahl nennt, braucht eine Messung, die sie trägt, und muss sie aktuell halten. Eine Prozentangabe von 2022 auf der Website von 2027 ist das nächste Risiko.
Dazu kommt der Platz. Auf einer Verpackung, in einer Anzeige oder in einem Reel ist kein Raum für fünf Bausteine. Hier hilft oft der Mut zum Weglassen. Lieber eine einzige präzise Aussage als drei vage. Und manchmal ist die ehrlichste Lösung, ein Thema in diesem Kanal gar nicht anzusprechen.
Für Grenzfälle, etwa bei Vergleichen mit Wettbewerbern oder Zukunftszielen, gehört eine Anwältin oder ein Anwalt für Wettbewerbsrecht an den Tisch.
Die allgemeinen Begriffe waren bequem, weil sie niemanden festgelegt haben. Genau das war ihr Problem. Die neue Sprache ist anstrengender. Sie verlangt Daten, Abstimmung und manchmal den Mut, kleine Fortschritte als kleine Fortschritte zu benennen. Dafür glaubt man ihr.
Wir übersetzen mit unseren Kunden Umweltengagement in Sätze, die konkret, belegbar und trotzdem gut lesbar sind. Wie unsere Analyse dabei aussieht – und was ein kostenloser Erst-Check zeigt – finden Sie hier.
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Dieser Beitrag bietet eine kommunikative Einordnung, keine Rechtsberatung.